Kindergartenfeste für alle, auch für Väter

Laterne

Wir hatten in unserem Kindergarten Laternenfest. Leider war Herr Annika nicht auf der Höhe und konnte nicht teilnehmen. Meine Frau war auch leider krank und so bin ich mit dem Runzelfüßchen alleine zum Laternenfest gegangen. Als klar war, dass meine Tochter zum ersten Mal nur mit Papa da hingehen musste und nicht mit Papa und Mama, waren meine Frau und ich traurig. Aber dass nur ein Elternteil kommen konnte, war keine Seltenheit.

Feste werden mit Kindern wieder wichtig

Wenn man mir vor einigen Jahren erzählt hätte, dass Feste, die der Kindergarten organisiert, mir wichtig werden würden, hätte ich denjenigen ausgelacht. Was soll denn daran toll sein? Eine Horde Kinder und Eltern laufen mit selbstgebastelten Laternen ein paar Meter, in der Kälte werden die ollen Lieder von Sankt Martin („Laterne, Laterne“) gesungen, danach ist allen kalt und sie gehen wieder nach Hause. Mit Kindern sieht das aber anders aus, denn für Kinder sind diese Feste sehr wichtig. Es sind Fixpunkte in ihrem Alltag. Mühevoll werden Laternen gebastelt, Lieder geübt und alle Kinder freuen sich mit ihrer Laterne zu laufen, die ein echtes Teelicht als Lichtquelle hat. Und dieser Zauber wirkt auch auf die meisten Eltern, die dabei sein können.

Feste ohne Väter

Als ich ein wenig abgehetzt im Kindergarten ankam, waren viele Eltern schon da, um mit ihren Kindern loszuziehen. Ich fühlte mich schon schlecht, weil ich nicht bei den ersten war, sondern eher bei denen, die als letztes kamen. Als ich mich dann ein wenig umsah, war das Bild relativ eindeutig: mit mir waren zwei Papas alleine da, vier Elternpaare und etwa zehn Mütter wollten ihre Kinder bei diesem Anlass begleiten. Und ich fragte mich: wieso waren denn nicht mehr Väter da? Konnten sie nicht oder wollten sie nicht?

Wieso sieht man nicht mehr Väter?

Viele Väter arbeiten Vollzeit, trotz Kindern. Und Vollzeit heißt in Deutschland meist, dass der Feierabend eher so gegen 17- 18 Uhr kommt. Wer dann noch einen Arbeitsplatz hat, der nicht direkt neben dem Kindergarten ist, muss vielleicht noch 30 Minuten fahren. Aber dann braucht man nicht mehr kommen. Das Licht ist aus und man geht nach Haus. Wer selber keine Kinder hat, wird wohl kaum verstehen, wieso jemand in November an einem Nachmittag mal früher losgehen muss. „Laternenfest? Was?“ Wahrscheinlich ist es auch nicht immer der/die (böse) Chef/Chefin, die ein frühes Gehen einfach verbieten. Oft sind es auch gruppendynamische Prozesse – vielleicht will man die Leute ohne Kinder nicht verärgern, wenn man früher geht. Oder die anderen Väter machen sich ja auch nicht auf zum Martinsliedsingen, wenn ich das dann mache, sieht das blöd aus. Modernes arbeiten, mobiles arbeiten hin- oder her: der, der früher gehen muss oder will, wird beäugt.

 

Wenn man über Gleichberechtigung liest oder redet, dann geht es oft um Geld, um Karriere, um Anerkennung. Es muss meiner Meinung viel öfter aber darum gehen, Zeit für die Familie und die Kinder zu haben. Für die ist es doch auch schön, wenn der Papa mal zum Vorspielen in die Musikschule kommt, mal vom Kindergarten abholt und dann noch auf den Spielplatz geht.

 

Wie ist es bei euch? Geht ihr meistens zu zweit auf Kindergarten- oder Schulfeste oder ist das in der Hand der Mütter?

Schreibe einen Kommentar

*