#metoo und das Schweigen der Männer

Da habe ich mir ja ein tolles Thema für meinen ersten richtigen Blogpost ausgesucht: die #metoo-Debatte. Warum geht es prinzipiell? Nach langem Schweigen und Dulden und Tolieren (oder wie man das sonst nennen kann) wurde Harvey Weinsteins jahrelange sexuellen Angriffe und Übergriffe offengelegt. Um zu zeigen, dass es sich bei den Frauen, die von Weinstein belästigt wurden, um keine Einzelfälle handelt, wurde der Hashtag #metoo ins Leben gerufen. Frauen können damit signaliseren, dass sie auch schon Opfer von sexuellen Übergriffen wurden. Und was fällt vielen Männern dazu ein? Alles ins Lächerliche zu ziehen. Oder Schweigen.

Schweigen wäre manchmal besser

Wobei manchmal schweigen vielleicht besser wäre. Auf das Argument, dass sexuelle Übergriffigkeit auch schon Hinterherpfeifen ist, kommen Gegenargumente die wütend machen. „Jetzt darf ich nicht mal mehr Komplimente machen.“, heißt es da etwa.
Hinterherpfeifen oder „catcalling“ ist nicht besonders nett und für viele Frauen kein Ehrenabzeichen. Vielleicht mag es einzelne Frauen geben, die daran Gefallen finden oder behaupten das zu tun oder die es nicht schlimm finden. Aber eigentlich ist es eine plumpe Reduzierung auf das Körperliche oder blöde Anmache oder lästig. Anstatt zu sagen: Wenn das Frauen in der Mehrzahl stört, sollten Männer es nicht machen oder andere Männer tolieren, wird der Vorwurf lächerlich gemacht.

Und dann kommt die Gegenbewegung

Bemerkenswert irritierend ist der „Gegenhashtag“ #notallmen, was so viel bedeutet, dass nicht alle Männer schlecht sind. In die gleiche Richtung geht das Argument, dass Männer ja auch Opfer von sexueller Belästigung sein können. Natürlich können sie das. Aber das ist im Moment nicht das Thema. Umgekehrt ist es ja mehr als offensichtlich, dass nicht alle Männer sexuell übergriffig sind. Aber leider sind es noch sehr viele. Ansonsten würden ja nicht so viele Frauen diese negative Erfahrung machen und den Hashtag #metoo benutzen.

Ich bin kein Experte

Natürlich könnte ich mich auch zurückziehen und denken: was geht mich das an? Ich bin ein Mann und denke, dass ich mich so verhalte, dass ich niemanden in irgendeinerweise verbal oder physisch verletze. So meine Selbstwahrnehmung. Vielleicht habe ich auch Recht damit. Aber um wirklich sicher zu gehen, sollte ich wohl als erstes zuhören und nicht die Diskussion lächerlich machen oder als unwichtig abtun. Viele Klischees, die ich mit mir rumtrage, oder Verhaltensmuster sind vielleicht schon so tief in meiner Persönlichkeit verankert, dass ich ohne eigenem Wissen oder Absicht, verletzend gegenüber Frauen verhalten kann.

Wo fängt tolerieren an?

Vor vielen Jahre, ich war vielleicht 16 oder 17, war ich auf einer Ferienfreizeit. Einer der Betreuer fuhr mit uns durch Italien oder Frankreich. Jedesmal wenn er eine – für ihn ausreichend hübsche – Frau sah, hupte er und machte obzöne Gesten. Ich fand das damals schon grenzwertig, aber es kann auch sein, dass ich das zuerst irgendwie lustig fand. Irgendwo habe ich das Erlebnis auch verdrängt: haben wir am Ende was gesagt? Oder hat ein anderer Betreuer etwas gesagt? Ich weiß es nicht mehr. Aber mit meinem Wissen heute, hätte ich definitv etwas sagen müssen.

Frauen gegen Männer? Oder Männer gegen Frauen?

Vor einigen Jahren habe ich in einer Diskussion mit einem Freund eine „feministische“ Position eingenommen. Ich weiß nicht mehr genau, warum es genau ging, aber mein Freund unterstellte mir Männerfeindlichkeit (gibt es das überhaupt?). „Du bist doch auch ein Mann. Du musst doch auf der Seite der Männer sein.“ Aber da fängt doch der Denkfehler an. Wir sind ja nicht bei einem Fussballspiel, bei dem ich meine Heimmannschaft anfeuer und den Sieg wünsche und den anderen die Niederlage. Genauso ich muss ja auch nicht selbst Gewalt erleben um mich in die Opfer hineinzuversetzen, um sie zu unterstützen.

Gesellschaftliche Verändungen gehen leider zu langsam

Wenn man die vielen negativen Kommentare in den sozialen Medien sieht, könnte man denken: Wieso das alles? Viele Menschen wollen sich nicht ändern, können sich vielleicht auch nicht mehr ändern und werden sich wahrscheinlich nicht mehr ändern. Das ist traurig und schade. Aber zumindest als Eltern bleibt mir die Hoffnung, dass ich meine Kinder anders erziehen kann und will. Tolerant und verständnisvoll.

 

Wie sollten sich Männer eurer Meinung nach an der Diskussion beteiligen? Ich bin sehr gespannt auf eure Kommentare.

2 Replies to “#metoo und das Schweigen der Männer”

  1. Im besten Fall so wie du! Zuhörend, reflektierend, eigenes Verhalten in Frage stellend… differenziert.

    1. Hallo Claudia,

      vielen Dank für Deinen (ersten) Kommentar. Ich hab mich sehr gefreut und hoffe das war nicht Dein letzter…

      Viele Grüße
      Alex

Schreibe einen Kommentar

*