Väter sind auch schlecht – Serie

Ein Regenschirm vor einer Mauer

Als ich letztens einen Artikel über den Spielplatz und die böse Spielplatzmama schreiben wollte, fiel es mir auf. Was war passiert: Eine Mutter war auf dem Spielplatz als ich mit meinen beiden Kindern da war. Sie hatte alle Buddelsachen mit Namen beschriftet, die zweijährige Cecilia[1] durfte nicht auf dem Boden sitzen und musste eine Wickelunterlage unter sich ausbreiten. Dabei war es nicht wirklich kalt und so nass. Ihr Kind Cecilia war relativ sprachlos, denn es wurde die ganze Zeit von ihrer Mutter belustigt. „Willst Du dies?“ „Schau mal Cecilia“ „Willst Du hiermit spielen, Cecilia?“ Als ob das noch nicht reichte, fing sie an noch meinen Sohn zu begutachten. „Na, läuft Deine Nase? Dein Papa hat bestimmt ein Taschentuch dabei.“ Papa, also ich, hatte natürlich kein Taschentuch und fühlte sich fast schlecht.

Schon wieder über eine Mutter herziehen?

Ich kann es nicht wirklich in Zahlen ausdrücken, aber bestimmt habe ich mich schon öfters negativ über andere Eltern bei Runzelfüßchen geschrieben. Oft waren es dann nicht nur andere Väter, sondern meistens wohl doch auch die Mütter. Wie unfair das ist, wurde erst langsam klar. Ich denke, dass es tolle Väter und tolle Mütter in gleichen Teilen gibt. Aber wenn ich öfters Frauen treffen auf Spielplätzen, im Kindergarten, beim Arzt, dann werden meine Erfahrungen automatisch davon geprägt.

Vielleicht war die Mutter auf dem Spielplatz ein wenig überspannt, aber auf jede überspannte Mutter kommt ein Vater, der sich gar nicht kümmert. Auf jede Mutter, die fies zu ihrem Kind ist, kommt ein Vater, der gar nichts zu seinem Kind ist. Und wenn der Vater nicht auf den Spielplatz mit seinem Kind geht, kann ich nicht darüber schreiben.

Andere Ausgangsvoraussetzungen

Dazu kommt ja noch, dass die Väter, die man in der Öffentlichkeit oft mit ihrem Kind sieht, dass sich das so ausgesucht haben. Vor kurzer Zeit habe ich einen Vater getroffen, der getrennt von der Kindsmutter ist, und auf dem Spielplatz Zeit mit seiner Tochter verbrachte. Natürlich war er relativ entspannt, denn er freute und konzentrierte sich ja auf diesen Moment mit seiner Tochter. Umgekehrt bekommen viele Mütter nicht die Unterstützung in der Kinderbetreuung, die sie vielleicht bräuchten, weil die Väter einfach nicht so da sind, wie es vielleicht für Beteiligten am besten wäre.

Neue Serie: Väter sind auch schlecht

Bei den Elternbloggern wird viel über andere Mütter geschrieben: was sie falsch machen, wie wenig sie bindungsorientiert sind, wie sie sich zu bindungsorientiert verhalten. Ich möchte das nicht mehr. Zum Ausgleich schreibe ich lieber über das, was Väter schlecht machen. Wo sie versagen. Das so eine Serie nicht objektiv sein kann, ist vollkommen klar. Gerne schreib ich auch darüber, was ich falsch mache oder falsch gemacht habe.

Manche werde sich fragen, wo das hinführen soll. Aber so wie man auch über Mütter schreiben kann, versuche ich über Väter zu schreiben. Die einzige Gefahr ist, dass ich zu wenig Erfahrungen mit ihnen auf Spielplätze machen kann – da es sie einfach nicht genug gibt.

Wie seht ihr das? Habt ihr auch das Gefühl, dass oft nur über Mütter schlecht geschrieben wird? Falls ihr auch darüber schreiben möchtet, ich schlage #väterversagen als Hashtag vor.

 

[1] Namen natürlich geändert.

3 Replies to “Väter sind auch schlecht – Serie”

  1. Auch ich denke oft negativ über andere Mamas und wie sie so manches machen. Dasselbe auch über Papas, aber die erlebe ich deutlich seltener. Dennoch frage ich wieso man das überhaupt bloggen muss? Fühlt man sich besser, wenn man jemand anderen schlecht macht? Und es ist so negativ.
    Wieso nicht eine Serie darüber, was die Mama oder der Papa nebenan heute mal tolles gemacht haben? Etwas, woran ich mir ein Beispiel nehmen möchte?
    Oder sehe ich das lieber nicht, weil ich mich sonst selber schlecht fühle?

    1. Hallo Antonia,

      vielen Dank für Deinen Kommentar. Ich denke, mein Beitrag war ein wenig überspitzt. Generell will ich überhaupt nicht über andere Eltern schlecht reden. Aber manchmal mache ich schlechte Erfahrungen oder Beobachtungen, die einen Artikel auslösen. Dabei war mir in der Vergangenheit oft nicht klar, dass es dann vielleicht eher negative Erlebnisse mit Mütter waren.
      Eine Serie mit positiven Erfahrungen ist natürlich auch eine prima Idee. Vielleicht komme ich da auch drauf zurück.

      Liebe Grüße
      Alex

  2. Ich wäre auch mehr für eine positive Serie. Durch unsere Mädchen haben wir enorm viel gelesen und über uns und unsere Vergangenheit gelernt. Unser Denken hat sich verändert, unsere Art ist positiver und wertschätzender geworden. Für uns ist diese Veränderung aber nicht so sehr wahrnehmbar, weil sie alltäglich geworden ist. Sie fällt uns erst dann wieder auf und besonders krass, wenn meine Eltern zu Besuch sind. Ihr Denken ist so unglaublich negativ besetzt, das ist erschreckend.
    Deshalb finde ich es wichtig, unser Denken und unsere Handlungen viel mehr auf die positiven Aspekte lenken und in der Rückschau des Tages, der Woche, des Monats.. unseren Blick auf die Dinge lenken, die gut waren 🙂

    Die Nachrichten sind negativ genug. Lasst uns für unsere Elternschaft den positiven Dingen den größten Raum geben.

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