Das Puppenhaus für kleine Jungen

Spielhaus

Wer diesen Blog schon etwas länger liest (oder auch nur den Titel verstanden hat), hat bestimmt schon mitbekommen, dass ich Gendermarketing nicht unbedingt mag. Ob im Supermarkt oder in der Drogerie, man könnte denken, es wird immer schlimmer und fast alles wird immer mehr für Mädchen oder für Jungen produziert, viel selter für beide. Das geht über Zahnbürsten, denn Mädchen und Jungen haben ja unterschiedliche Zähne (natürlich nicht!), zu Kinderbadeschaum, Kekse, Seifenblasen, etc. von Spielzeug möchte ich gar nicht anfangen. Spannend finde ich, dass es den Kinder trotzdem oft (noch?) egal ist, wie sie Dinge benutzen oder spielen sollen.

Das Barbie-Puppenhaus

In unserem Kindergarten gab es vor kurzem ein Spielzeuggeschenk. Was das ist? Obwohl der Kindergarten auch ein Budget für eigenes Spielzeug hat, können Eltern auch mal eigenes (benutztes) Spielzeug schenken. Wir kamen vor ein paar Wochen in den Kindergarten und es gab eine große Aufregung unter den Kindern, die schon da waren. Ein Mädchen, nennen wir sie Henriette, hatte sich von ihrem Barbie-Puppenhaus getrennt. Ich glaube, das war nicht ganz uneigennützig, denn das Barbiepuppenhaus war fast so groß wie ein Kleinwagen. Und sowas stellt man sich als Eltern nicht unbedingt gerne in die Wohnung.

Das Hassobjekt Barbie

Bei dem Namen „Barbie“ stellen sich bei mir die Nackenhaare hoch. Diese Abneigung muss ich schon in frühster Kindheit erworben haben. Für mich sahen (und sehen) diese Puppen einfach nur skurril aus. Anatomisch fragwürdig gebaut, konnte ich als Kind damit nie spielen. Ich hätte einfach nicht gewußt, was ich mit so einer Barbie machen sollte. Ich war also eher ein wenig genervt, dass uns oder besser den Kindern dieses eher fragwürdige Geschenk zuteil kam. Muss es denn unbedingt Barbie sein? Warum nicht Lego oder Playmobil? Reicht es denn nicht, wenn die Mädchen in unserem Kindergarten schon unter dem Elsa-Wahn leiden?

Die Puppenüberraschung

Vielleicht sind die Kinder noch nicht in der Zielgruppe dieser, für mich gräuslichen, Puppe angekommen. Ich hätte aber erwartet, dass die Jungen das Puppenhaus eher doof finden und die Mädchen sich dafür mehr interessieren würden. Aber lustigerweise traf das Gegenteil zu. Während die Mädchen im Kindergarten sich kaum begeistern konnten, waren die Jungen vollkommen begeistert. Da wurde alles ausprobiert, was man ausprobieren konnte. Auch eher rosanen Farbtöne waren kein Problem, denn den Jungen waren die Farben egal.

Coole ErzieherInnen und Eltern

Ich war nicht das einzige Elternteil, welches die Kinder zu der Zeit in den Kindergarten brachte. Eine Mutter war auch noch da, weil sie mit ihrem Sohn gerade angekommen war. Zusammen mit einer Erzieherin schauten wir uns das Spektakel an, wir standen ein wenig abseits und freuten uns ein wenig, weil die Jungen damit spielten. Niemand sagte etwas zu den Kindern. Kein „das ist doch nichts für euch“, kein „wollen die Mädchen damit nicht auch spielen?“ kam aus irgendwelchen Lippen. In dem Moment freute ich mich, dass es diesen Kindergarten gibt, in dem die Kinder möglichst wenig in Geschlechterrollen geschoben werden.

 

Kennt ihr Beispiele, in denen die Kinder das Spielzeug anders benutzen als eigentlich vom Hersteller geplant?

 

 

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