Der böse Papa

Streetart

Wie viele vielleicht wissen, schreibe ich auch (oder hauptsächlich – je nach Betrachtungswinkel) für den Runzelfüßchen-Blog. Dort fiel letztens in einem Kommentar der Begriff „ein böser Papa“. Das hat mich ein wenig irritiert. Ist der „böse Papa“ das Gegenstück zur sogenannten „Rabenmutter“? Oder kann das auch etwas anderes bedeuten und es geht um die Rollen in der Erziehung? Fällt vielen Vätern die Rolle des „Bad Cop“ zu, während die Mutter der „Good Cop“ ist? Und möchte ich überhaupt etwas davon sein? Braucht man(n), brauche ich das?

Liebe Mutter, böse Vater

Wir waren letztens mit der Familie in einem Einkaufszentrum. Ein kleine Familie, bestehend aus Mutter, Vatter und Kind saß mit uns an einem Springbrunnen. Das Kind war vielleicht etwas jünger als meine Tochter. Als die Eltern von dem Brunnen aufbrechen wollten, wollte das Kind nicht mitlaufen. Es wollte lieber bei dem Wasser bleiben. Erst redete die Mutter mit dem Kind dann der Vater, aber es war kein Vorankommen. Irgendwann packte der Vater das Kind grob an und zerrte es mit. Natürlich weinte das Kind bitterlich und ging dann zu seiner Mutter, die das Kind tröstete. Neben der Gewalt gegen das Kind (das ging überhaupt nicht!) fand ich auch die Rollenverteilung problematisch. Dem Mann fiel automatisch die Rolle des „Bösen“ zu. Er war derjenige, der sich (gegen das Kind) durchsetzen musste. Die Mutter war am Ende die „Gute“, die das Kind trösten musste.

Der harte Vater

Bei einem fernen Bekannten war „Einschlafen“ ein großes Thema mit ihrem Kind. Bevor wir uns hier falsch verstehen: Wenn Kinder nicht einschlafen können, die Eltern den ganzen Abend damit verbringen, ein Kind zum einschlafen zu bringen, kann das sehr belastend sein. Sogenannte Einschlafprogramme suggerieren vermeintlich einen einfachen Weg wie Kinder das Einschlafen „lernen“ können. Auf jeden Fall brüstete sich mein Bekannter, dass er das Einschlafprogramm zu Hause dann durchgesetzt hat. Seine Frau war dafür zu weich gewesen, aber er hätte das gut durchhalten können, dass das Kind die ganze Zeit ganz schlimm geschrien und geweint hätte. Ich bin mir gar nicht mehr sicher, was ich dazu gesagt habe oder ob ich etwas dazu überhaupt hätte sagen können. Mir blieb nur in Erinnerung, dass er sich hatte durchsetzen müssen (gegen das Kind).

Unterschiedliche Erziehungsstile

Eltern sind unterschiedlich in ihren Erziehungsstilen. Das ist auch gut so. Ich schaue mir auch gerne  an, wie meine Frau mit bestimmten Problemen umgeht. Aber oft gibt es auch gar nicht die eine Lösung. Etwas was bei ihr gut funktioniert, funktioniert bei mir nicht oder umgekehrt. Aber ich finde schade, wenn irgendjemand die Rollen des „Bösen“ zugeteilt bekommt oder sich selbst einteilt. Väter müssen nicht „hart“ sein oder besonders streng oder vielleicht sogar noch laut oder cholerisch. Es reicht doch einfach bei sich selbst zu sein, den Kindern zugewandt und notwendige Grenzen zu setzen. Ohne besondere männliche Strenge.

Wie vermeidet ihr in der Erziehung, dass ein Elternteil die Rolle des „Bad Cop“ bekommt?

3 Replies to “Der böse Papa”

  1. Also bei uns verbringe ich den Großteil des Tages mit den Kindern, während der Papa Vollzeit arbeitet – also recht klassisch, aber so gewollt. Der bad cop ist keiner von uns beiden, allerdings beobachten wir schon, dass die Großen gar nicht auf den Papa hören, während bei mir ein einfaches ‚bitte etwas leiser‘ reicht. Ich stelle doch scheinbar klar die Autorität dar und wenn Papa mal nicht das erlaubt, was gewollt wird, heißt es dann schon mal ‚du hast uns nichts zu sagen. die mama ist der chef‘. woher das kommt… keine Ahnung, wir schmunzeln oft.

    1. Das finde ich ganz spannend. Wie geht es denn dem Papa damit, dass er nicht der Chef ist? Und wie gehst Du damit um? Steuert ihr dagegen oder akzeptieren alle, dass Du die Hauptbezugsperson bist und deshalb auch die wesentlichen Regeln aufstellen kannst?
      Viele Grüße
      Alex

  2. […] Beitrag geschickt, der sich mit der Beziehung des Vaters zum Kind und Partner auseinandersetzt. Papaunddasrosablau stellt die Frage, ob der „böse Papa“ das Gegenstück zur sogenannten „Rabenmutter“ ist. […]

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