Der Equal Care Day

Schild mit Papa

Der Equal Care Day (ECD) ist nicht ganz so bekannt wie der Equal Pay Day (EPD), aber das Ansinnen ist relativ ähnlich. Während der EPD den Tag im Kalendar markiert, bis zu dem die Frauen umsonst arbeiten, macht der ECD darauf aufmerksam, dass 80% der Care-Arbeit von Frauen erledigt wird. Zum diesjährigen ECD am 29. Februar 2018 fordern die Initiaror*innen auf, einen Brief an die nächste oder übernächste Generation zu schreiben. In dem Brief soll man sich wünschen, wie die Care-Arbeit in Zukunft aussehen soll und was man sich für die nächste Generation wünscht.

Mein Brief

Liebe Enkelin, lieber Enkel,

ich würde Dir gerne sagen, dass meine Generation schon vieles besser gemacht hat als die Generation vor uns. Und irgendwie stimmt das schon ein wenig: Während mein Papa wahrscheinlich nie mit mir beim Kinderarzt war, gehe ich regelmäßig mit meinen Kindern zur Zahnärztin oder zum Kinderarzt. Mein Mama ist für sehr lange Zeit aus dem Beruf ausgeschieden als ich geboren wurde. Als meine Kinder auf die Welt kamen, habe ich ungefähr genau so lange Elternzeit gemacht wie meine Frau. Aber das macht mich nicht zum Superdad. Es sind eher Schritte in die richtige Richtung, zu einer gerechteren Normalität.

Keine neuen tollen Väter

Letztens war ich im Bus mit meinen Kindern unterwegs und eine ältere Frau meinte zu mir, ich wäre einer der „neuen tollen Väter.“ Ich wußte erst gar nicht, was ich darauf sagen sollte. Nur weil ich mit meinen Kindern alleine unterwegs bin, macht mich das nicht zu etwas besonderen. Meine Frau ist auch dauernd mit unseren Kindern unterwegs und hört nie einen Spruch, dass sie eine tolle Mutter ist. Ich sagte nur etwas davon, dass ich ein „normaler“ Vater bin. Etwas anderes fiel mir gar nicht darauf ein.

Nicht alles rosig

Selbst wenn ich länger Elternzeit als viele andere Väter gemacht habe, macht mich das nicht zu einem tollen Vater. Und wenn ich ganz ehrlich bin, ist auch bei uns noch nicht alles perfekt. Da ich Vollzeit arbeiten gehen, kann ich automatisch weniger tagsüber mit meinen Kindern machen. Während meine Frau öfters mit kranken Kindern zu Hause geblieben ist als ich, holt sie in der Regel die Kinder ab und verbringt die Nachmittage mit ihnen während ich noch arbeite. Natürlich versuche ich das morgens, abends und am Wochenende zu kompensieren und möglicht viel Zeit mit dem Runzelfüßchen und Herrn Annika zu verbringen. Aber ob ich wirklich auf die gleiche Stundenzahl an Care-Arbeit komme? Vermutlich nicht. Aber wir versuchen es zumindest und reden darüber.

Meien Wünsche zum Equal Care Day: Weniger zögern und mehr Mut bei den Vätern

Nachdem meine Tochter auf die Welt kam, habe ich zuerst vier Monate Elternzeit beantragt. Ich dachte zuerst, dass wäre ganz mutig, während viele anderen Väter oft gar keine Elternzeit oder nur zwei Monate machten. Aber selbst bei den vier Monaten habe ich mich gefragt, ob ich das wirklich machen soll, ob das eine gute Idee ist, was die Kolleg*innen denken, ob mir das beruflich schadet. Nach längerem Zureden von meiner Frau habe ich am Ende dann doch noch zwei Monate drangehängt. Von selbst hätte ich die Entscheidung nicht getroffen, weil noch so viele eigene Widerstände in meinem Kopf zu überwinden waren. Im Nachhinein war es die richtige Entscheidung und ich bin sehr froh gewesen, so viel Zeit mit meinem Baby verbringen zu können. Ich würde mir für die nächste Generation Väter wünschen, dass sie mutiger ist und sich mehr für sich selbst und ihre Kinder einsetzen. Dass sie von sich aus einfordern, mehr in der Care Arbeit beteiligt zu werden. Dass sie auch eher in Teilzeit arbeiten, um mehr Care-Arbeit zu erledigen. Wenn man sieht, wie viel sich zwischen der Generation meiner Eltern und mir selbst geändert hat, dürfte das eigentlich ein Klacks sein.

Was wünscht ihr euch zum Equal Care Day von der nächsten Generation? Ihr könnt euch auch gerne an der Briefaktion beteiligen. Mir war das mti dem handschriftlichen Brief mit Abtippen, Fotografieren und per Email verschicken ein wenig zu kompliziert oder zu sehr Vor-Internetzeit, aber die Aktion selber finde ich sehr gut.

Ein Kommentar bei „Der Equal Care Day“

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