Der Schminkkoffer

Schminkkoffer für Kleinkinder

Dieser Blog heißt „Papa und das Rosablau“, weil mich Geschlecherklischees beschäftigen. Und eigentlich soll es nicht nur um negative Dinge gehen, aber was ich letztens gesehen habe, hat mich geärgert und verstört. Meine Tochter hatte einen Schminkkoffer geschenkt bekommen. Einen Schminkkoffer! Mit vier. Und bevor wir uns falsch verstehen: ich mache den Schenkern eigentlich keinen Vorwurf. Es war lieb gemeint, es war keine böse Absicht und das Runzelfüßchen hat sich auch darüber gefreut. Aber warum konnte ich mich denn nicht darüber freuen?

Fingernägel für Kleinkinder
Hier sind nur noch die Überreste zu sehen

Was war im Schminkkoffer drin?

Um was ging es denn genau? In diesem Schminkkoffer befanden sich diverse Utensilien. Fingernägel mit Kleber zum ankleben. Lippenstift (natürlich). Und noch irgendwas anderes (Puder?). Meine Frau war so geistesgegenwärtig und entfernte die Dinge, die am meisten nach Chemie aussahen. Wenigstens konnte so ausgeschlossen werden, dass mein kleiner Sohn etwas von dem Zeug verschluckt oder meine Tochter sich mit Ausschlag im Spiegel sehen könnte. Aber wenn es nur um die Güte der Inhaltsstoffe gegangen wäre, hätte ich mich wahrscheinlich nicht so geärgert. Die Alternative wäre ja doch hochwertige Kosmetika als Ersatz zu kaufen. Also das kann es nicht sein.

Kleine Mädchen sollen sich schminken

Was mich an diesem Produkt wahrscheinlich am meisten gestört hat: es war die Zielgruppenorientierung. Alles war auf rosa getrimmt und funkelte. Es war nicht einfach ein Schminkkoffer für Kinder, zum ausprobieren, sondern der Koffer war direkt auf kleine Mädchen zugeschnitten. Bei amazon fand ich eine Rezension von einem ähnlichen Koffer, der für eine 3-jährige gedacht war. Und ganz ehrlich: Müssen Drei- oder Vierjährige schon vermittelt bekommen, dass schön sein bedeutet, sich zu schminken und sich künstliche pinke Nägel anzukleben?

Schminken – ein Rätsel für mich

Um das nochmal ganz deutlich zu sagen: ich bin keine Frau. Weder weiß ich oder kann es wirklich nachempfinden, ob, warum und wie sich Frauen schminken. Klar, ich achte auch auf mein Äußeres und es ist mir schon wichtig, wie ich aussehe. Aber ich fühlte mich nie einem besonderen Druck ausgesetzt, gut auszusehen. Aussehen inklusive dem Gewicht waren in meinem männlichen Freundeskreis nie ein großes Thema. Natürlich ahmen Kinder Erwachsene nach. Sie wollen auch ein wenig so sein wie wir Erwachsene, sie schauen sich vieles ab. In der echten Welt, von der Werbung mal abgesehen, schminken sich Frauen auch, benutzen Nagellack und es wird niemand auf die Idee kommen, das abzuschaffen, weil es die Kinder nachmachen. Andererseits: wenn das Äußere im Kindergarten schon betont wird, wie soll das enden?

Kinder im Kindergartenalter stark machen

Es ist ein weiter Sprung von Schminkkoffer zu Magersucht. Aber wann fängt man an, Kinder stark zu machen? Wann werden die Grundlagen gelegt, dass das Äußere nicht das einzig Entscheidende ist? Oder das Schönsein auch ohne Hilfsmittel funktioniert. Eine Frau (oder ein Mensch) ist nicht per se schön, weil sie angeklebte Fingernägel hat. Ich will meine Tochter und meinen Sohn so stark machen, dass sie sich später nicht von der Peer-Group, von Medien oder von irgendwas anderem einreden lassen, sie wären nicht ok. Sie müssten anders sein als sie selbst es fühlen. Oder sie müssten so sein, wie alle anderen.

Schminkkoffer für Kleinkinder sind schon ein wenig heftig. Aber wie geht ihr mit solchen Dingen um? Verbieten? Nicht besorgen? Oder meint ihr, das ist vielleicht gar nicht so schlimm?

 

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