Fragen an Mama, Fragen an Papa und der Witz ist nirgendwo

Spielzeugauto und Spielzeugpony

Es gibt Witze, die es manchmal auf Facebook oder Twitter zu sehen gibt. Dabei ist es meistens eine Grafik, die Fragen oder Sätze der Kinder an Mama zeigt: Wann gibt es Abendbrot? Wo ist mein…? Darf ich…? Daneben ist ein Quadrat, in dem Papa steht und es gibt nur eine Frage, die an Papa gestellt wird: Wo ist Mama? Jedes Mal, wenn ich das sehe, ärgere ich mich. Nicht, weil es nicht auch oft so ist, aber mehr, weil es eigentlich sehr traurig ist.

Finden bestimmt nicht alle lustig

Dass es auch andere Familien gibt, die nicht nur aus Mama und Papa bestehen: geschenkt. Ob alleinerziehend, getrennt lebend oder dass es auch Familien von gleichgeschlechtlichen Partner_innen gibt, wird in so einem Witz natürlich unterschlagen. Dabei glaube ich auch, dass es viele Menschen gibt, die so ein Bild sehen und nicht automatisch auf „gefällt mir“ klicken. Andere wiederum kommentieren mit „ja, genau so ist.“ und finden es lustig.

Die Kinder rufen nachts nach mir

Nachts oder nach dem Schlafengehen gibt es nur eine Person, nach der gerufen wird. Ob ein Kind aufwacht, schlecht träumt, Durst hat – sie rufen nach mir. Eine Zeit lang bin ich fast jeden Abend drei bis viermal bei meiner Tochter gewesen, weil sie immer wieder aufgewacht ist. Mal war es eine Erkältung, mal war es Durst. Während wir uns bei nur einem Kind eher abgewechselt haben, war spätestens mit dem zweiten Kind die Aufgabe zu 90% bei mir. Da mein Sohn nachts relativ viel gestillt werden wollte und meine Frau in dieser Zeit sehr fertig war, war klar, dass meine Frau nicht noch abends für ihn zuständig  sein musste.

Kinder brauchen die Mama

Oft hört man von Männern, seltener von Frauen, dass die Väter sich ja gar nicht einbringen können. Sie wollten zwar helfen oder Verantwortung übernehmen, aber die Kinder wollen halt immer nur Mama sehen. Zu gern würden sie ja das Baby, das Kleinkind oder das Kind trösten, aber diese wollen ja immer nur und immer wieder von Mama getröstet werden. Natürlich kann ein Mann nicht stillen. Und niemand möchte Kindern die Mutter wegnehmen und ihnen nur noch den Vater vorsetzen. Aber Väter können viel mehr tun als nur die Frage „Wo ist Mama?“ beantworten.

Die Söhne mit den Müttern und die Väter mit den Töchtern?

Ich habe ja eine Tochter und einen Sohn. Nachdem mein Sohn auf der Welt war, hatte ich die kleine Befürchtung, dass er eine stärkere Bindung zur Mama haben würde. Natürlich kommt so ein Gefühl nicht von selbst, sondern ich bin mit dem Bild aufgewachsen, dass Mädchen/Väter und Söhne/Mütter angeblich andere Bindungen hätten. Dass diese Geschlechterrollen von mir überhaupt noch in Erwägung gezogen wurden, ist schon traurig genug. Aber dieses Vorurteil war irgendwie da. Jetzt nach über zwei Jahren, gibt es für mich eigentlich nur ein Kriterium für die Bindung zu einem Kind: Da sein und sich kümmern.

 

Letztens hörte Herr Annika ein Kind im Hof weinen. Es war ein Kleinkind oder ein größeres Baby und er meinte zu mir: „Baby weint. Papa in den Arm nehmen.“ Ich fragte ihn, ob ich mich um das Baby kümmern sollte oder „ein Papa“. Seine Antwort war: „ein Papa“.

 

Was denkt ihr, wenn ihr solche Grafiken seht? Ist es die traurige Wahrheit oder kümmern sich in der Realität doch mehr Väter um ihren Nachwuchs?

4 Kommentare bei „Fragen an Mama, Fragen an Papa und der Witz ist nirgendwo“

  1. Was für ein wundervoller Artikel! Wir sind noch ziemlich am Anfang was das Elternsein angeht, haben aber die Elternzeit eher untypisch verteilt. Mein Mann übernimmt den überwiegenden Teil der Elternzeit und ich gehe voll Arbeiten.
    Bei der Beobachtung und Gesprächen mit Freunden und Bekannten stellen wir immer wieder fest, dass es die Väter oft wirklich nicht einfach haben. Abgesehen von der finanziellen Frage, „dürfen“ sie meist nicht mehr als 2 „Vätermonate“ zu Hause bleiben und bekommen dann von den Mamas auch vorab weniger zugetraut. Es gibt natürlich auch Väter, die gar nicht mehr wollen. Aber meist ist die Mama-Fokussierung eher ein hausgemachtes und vielleicht sogar gewolltes Phänomen.
    Jede Familie muss da den für sie passenden Weg finden. Wenn dabei auch ab und zu mal ein weniger klassisches Modell entsteht, macht das die Welt doch abwechslungsreich und schön.

    1. das_rosa_blau sagt: Antworten

      Hallo Steffi,
      vielen Dank für Dein Lob und Deinen Kommentar.

      Wie findest Du denn, dass Dein Mann mehr Zeit mit den Kindern verbringt? Ist es für eher eine Erleichterung und hast Du das Gefühl, Dir wird etwas „weggenommen“? ( ich hoffe, die Frage ist nicht zu persönlich)

      Liebe Grüße
      Alex

  2. Ich habe das Gefühl, dass man es als Eltern derzeit gar nicht recht machen kann.
    Kümmern sich Väter „zu sehr“ und reduzieren deswegen auch noch die Arbeitszeit sind sie „Weicheier“, die sich von der Frau für Care-Arbeit einspannen lassen. Sind sie 40h auf Arbeit, und haben deswegen nicht so eine große Bindung zum Kind (Bindung = da sein, wie du selber richtig geschrieben hast) wird sich darüber lustig gemacht, dass sie nur die Frage beantworten können, wo die Mama ist.
    Gehen Mütter Vollzeit arbeiten, sind sie zu wenig fürs Kind da, gehen sie gar nicht arbeiten, sind sie nur „Hausmütterchen“, das ist auch nicht recht, und nebenbei wird ihnen noch vorgeworfen, dass sie dem Mann Verantwortung wegnehmen, denn die Männer würden ja gern, aber die Mütter lassen sie nicht…. Mich macht so etwas manchmal ein bisschen aggressiv.

  3. Hallo Alex,

    ich habe absolut nicht das Gefühl, dass mir etwas weggenommen wird. Der Kleine himmelt seinen Papa total niedlich an, freut sich aber auch riesig, wenn ich nach Hause komme.
    Ich würde schon einige Kleinigkeiten selbst anders machen, nicht unbedingt besser. Aber das darf und soll der Elternteil entscheiden, der zu Hause ist.
    Ich finde die Aufteilung super und unser direktes Umfeld hat das auch nicht wirklich überrascht. Häufig fragen Menschen und sind interessiert wie das läuft, aber wir haben nur ein einziges Mal eine negative Reaktion bekommen. Schwierig ist es eher so in den klassischen Elterngesprächen. Ich kann mich in Gesprächen mit Müttern vieles nicht so nachvollziehen und mein Mann ist in den Babykursen bisher immer der einzige Papa. Wurde aber immer gut aufgenommen.

    Viele Grüße
    Steffi

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