Jungen und Mädchen spielen doch unterschiedlich, oder?

(Prinzipiell schreibt @dasrosablau hier jeden Donnerstag, was ihn bewegt.)

Manchmal höre ich Gespräche mit, bei denen ich besser weggehört hätte. Zum Beispiel hörte ich letztens mit, wie jemand behauptete Mädchen und Jungen spielen ja ganz anders. Und es gäbe ja solche große Unterschiede. Eigentlich will ich dann immer einschreiten und erklären, dass nicht alle Jungen so oder so sind. Und es auch Mädchen gibt, die gerne damit oder damit spielen. Aber es hat auch immer etwas belehrendes. Also habe ich doch, auch aus Höflichkeit geschwiegen, aber eigenltich ärgert mich das.

Anekdotische Einschätzungen

Als wir nur eine Tochter hatten, musste ich mir manchmal anhören: Mädchen sind halt anders, Jungs sind viel wilder. Jetzt, wo wir ein Jungen und ein Mädchen haben, höre ich das seltener, aber es kommt trotzdem vor. Ich bin mir manchmal nur nicht sicher, ob die Erfahrungen mit den eigenen Kinder eher neutral oder schon mit Vorurteilen behaftet wahrgenommen werden. Wenn ein Junge etwas jungenhaftes tut, ist es ja „typisch“. Und vielleicht kann er auch gar nichts „mädchenhaftes“ machen, weil er keine Puppe zum spielen hat, sondern nur Feuerwehrautos und Holzeisenbahn.

Manchmal ist das Alter wichtig

Als meine Tochter wenig Spaß mit Duplo-Spielsteinen hatte, dachte ich auch schon mal: Jetzt haben die Menschen mit ihren Vorurteilen für Jungen und Mädchen doch noch Recht bekommen. Meine Tochter war zwei, auf der Packung von Duplo stand fett drauf, dass Kinder ab zwei Jahren damit spielen können. Aber was ich vergaß: das sind nur Empfehlungen. Kinder suchen sich gerne auch ihr Spielzeug aus, je nachdem, was sie vielleicht brauchen oder wonach ihnen gerade ist. Meiner Tochter war mit zwei Jahren in dem genauen Zeitpunkt eher nach „kümmern“ und Küche spielen. Jetzt mit vier Jahren liebt sie es, mit ihren Bausteinen Türme oder Häuser zu bauen.

In alten Schubladen denken

Ich ertappe mich auch manchmal zu denken, dass mein Sohn jetzt etwas untyptisches für einen Jungen macht, wenn er mit seiner Puppe kuschelt, die Puppe zudeckt oder sie mit dem Puppenwagen durch die Gegend fährt. Dabei ist es totaler Quatsch, denn ein Kind spielt einfach gerne verschiedene Sachen und geht den Bedürfnisse einfach nach. Kinder werten (zumindest wenn sie klein sind) nicht, ob das jetzt ein „Jungen- oder Mädchenspiel“ ist. Das machen meist die Erwachsenen. Entweder indem sie bestimmtes Spielzeug und Spielen nicht ermöglichen. Oder weil sie dann doch wertend über das Spiel urteilen.

Keine Vorschriften

Auf Facebook las ich letztens, dass Menschen, die sich gegen Gendermarketing positionieren, den Menschen vorschreiben wollen, welche Spielzeug sie zu kaufen haben. Oder die Geschlechter ja doch unterschiedlich sind und wir (ich rechne mich mal dazu) die Unterschiede negieren wollen. Nichts könnte falscher sein. Niemand möchte irgendwem vorschreiben, was er oder sie kauft. Mir persönlich ist es ziemlich egal, ob jemand einem Jungen eher eine Ritterburg oder eine Puppe schenkt. Viel lieber würde ich sehen, dass Menschen diese Stereotypen hinterfragen und es ermöglichen, dass kleine Kinder ihre Potentiale entdecken und später indivuell ausleben können. Ohne dann vielleicht zu hören, dass „Technik“ nix für Mädchen und Care-Arbeit nix für Jungen sein soll.

Ich kann mich nicht jede Unterhaltung einmischen und meine Meinung sagen. Andererseits denke ich, dass es auch eine Möglichkeit geben muss, Einfluss zu nehmen. Wie nehmt ihr darauf Einfluss, wenn ihr Klischees hört, die sich schon auf kleine Kinder beziehen?

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