Jungs spielen Feuerwehrmann Sam- Mädchen spielen Hello Kitty

Oft bin ich erstaunt, wie gut sich meine Tochter auskennt. Eine Elsa auf einem T-Shirt oder auf einem Joghurt oder einem Müsli erkennt sie von weitem. Bis vor kurzem hatte ich keine Ahnung, wer oder was eine Elsa ist, aber nach genauerem Hingucken lässt sich neben dem Bild einer Zeichentrickkönigin (oder Prinzessin?) das Disney-Logo erkennen. Meine Tochter hat mit ihren 3 Jahren noch nie einen Disneyfilm gesehen, geschweige den Film „Frozen“, aber sie weiß genau, wie eine Protagonistin aussieht.

Jetzt könnte man denken, dass ist doch nicht schlimm, denn Kinder sind doch einfach schlau und merken sich einfach Namen. Aber so einfach finde ich das nicht. Denn ohne Elsa zu nahe treten zu wollen, kleine Mädchen müssen nicht schon mit drei Jahren mit Disney-Prinzessinnen in Berührung kommen.

Im Moment sind im Kindergarten Rollenspiele angesagt, aber nicht solche wie man sie von The Big Bang Theory kennt wie „Dungeons and Dragons“, sondern die Kinder spielen verschiedene Rollen. Ich finde das aus diversen Gründen schön. Dabei spielen sie gefühlt immer das gleiche: Vater, Mutter und Baby oder Baby, Mama und Arzt/Ärztin. Aber auch Autofahren, Flugzeug fliegen gehören zu dem Reportoire.

Wie kann man denn Hello Kitty spielen?

Letztens würde ich aber hellhörig, denn meine Tochter erzählte mir von einem neuen Spiel. Sie spielten „Hello Kitty“. Dabei muss ich sagen, dass diese Figur bei uns generell nicht vorkommt. Meines Wissens haben wir irgendwann mal ein Puzzle-Buch bekommen, bei dem wir den Namen „Hello Kitty“ nie augesprochen haben. Aber jetzt war das Kind ja schon in den Brunnen gefallen. Das Runzelfüßchen und ihre Freunde spielten also „Hello Kitty“. Warum weiß ich nicht, aber ich fragte meine Tochter, wie denn das Spiel geht. Und sie sagte nur, es geht wie „Baby spielen“. Da war ich ein wenig beruhigt, denn ich habe keine Ahnung wie man mit einer Figur spielen kann, die keinen Mund hat.

Und täglich grüßt der Feuerwehrmann

Die männlichen Kinder in ihrer Kindergartengruppe haben ein ähnliches Spiel. Jeden dritten Tag, wenn ich meine Tochter in den Kindergarten bringe, grüßt mich ein kleiner Feuerwehrmann. Die Firma, die mittlerweile gebrandete Feuerwehrmann-Sam Uniformen anbietet, muss ein Vermögen verdienen. Jedenfalls haben fast alle Jungs in ihrer Gruppe eine Feuerwehruniform an manchen Tagen an. Sie spielen dann auch mit dem Runzelfüßchen „Feuerwehrmann Sam“. Das erste mal verstand ich von meiner Tochter nur, sie spielen „Feuerwehrmanns Helm“. Ich dachte nur, was für ein komisches Spiel, bis ich irgendwann mitbekam, dass es sich um ein „Franchise“ mit sehr vielen Ausprägungen handelt (Serie, Bücher, Figuren – you name it).

Ich bin kein Werbefachmann, aber ich denke, Firmen würden nicht anfangen, die Kleinkindzielgruppe mit gebrandeten Produkten zu überziehen, wenn es sich nicht lohnen würde. Früher oder später möchten die Kinder dann keine Feuerwehruniform, sondern eine Feuerwehrmann Sam Uniform. Kein T-Shirt, sondern ein Hello Kitty-Shirt. Mich erschüttert nur, wie schon dreijährige Markenfiguren in ihr Rollenspiel integrieren. Als könnte sie nicht ohne Sam Feuerwehr spielen oder ohne Hello Kitty Baby.

 

Kennt ihr das? Wie geht ihr mit Marken/Produkten um, die gebrandet sind? Vermeiden? Dulden?

9 Replies to “Jungs spielen Feuerwehrmann Sam- Mädchen spielen Hello Kitty”

  1. Ich kenne das zu gut. Bis vor einem Jahr war unsere Welt noch frei von diesen Figuren, denn die Zwillinge kamen erst mit drei Jahren in den Kindergarten. Aber seitdem gibt es hier Sam und Elsa.
    Wobei der Große eine generell Feuerwehr-Phase hat/hatte und sie nicht nur aus Sam bestand. Elsa hingegen war der Maßstab schlechthin.
    Nun spricht der kleine Krümel mit seinen zwei Jahren noch nicht viel, aber „Feuer Sam“ und „Elsa“ erkennt er bereits im Supermarkt. Und findet beide sehr toll.

    Wenn sie allerdings Rollenspiele spielen, streiten sich die beiden Großen (Zwillingspärchen) um das Prinzessinnenkleid (das eigentlich ein Tüllrock ist). Der Verlierer muss die Meerjungfrau sein. Den Feuerwehrhelm trägt eher keiner. Somit ist es zumindest zu Hause kein Junge/Mädchen-Klischee.

    1. Liebe Kerstin,

      vielen Dank für Deinen Kommentar. Das schlechte wie das gute kommen irgendwie alle über den Kindergarten. Ich kann sogar genau sagen, wer unsere Tochter mit Elsa „angesteckt“ hat, aber das bringt ja auch nichts. Im Moment habe ich eher das Gefühl, dass das Runzelfüßchen mittlerweile fast schon ein wenig ihrer überdrüssig wird.
      Irgendwie kann ich ja verstehen, dass die Kinder sich freuen, wenn sie eine bekannte Figur entdecken, aber ich habe das Gefühl, sie können dem gar nicht mehr entkommen.
      Zumindest spielen eure Kinder nicht nur „Feuer Sam“ (was ich sehr lustig finde).

      Liebe Grüße
      Alex

    2. Hallo Kerstin,

      nochmal vielen Dank für Deinen Kommentar (meine Antwort kommt leider etwas später). Meerjungfrau als Verliererpreis finde ich witzig. Vielleicht ist Ariel einfach zu lange her, aber Meerjungfrauen haben das Runzelfüßchen noch nie interessiert. Das ist ja auch irgendwie komisch: eine Frau, die keine Beine hat und nur schwimmen kann. Aber wer weiß, vielleicht kommt das doch noch (oh oh).

      Liebe Grüße
      Alex

  2. […] Feuerwehrmann Sam, Hello Kitty und der Eisprinzessin las ich diese Woche beim recht frischen Blog „Papa und das Rosablau“. Und ich habe unsere Kinder wiedererkannt. Mir ist ehrlich gesagt, dieses extreme Merchandising im […]

  3. Ich finde es ehrlich gesagt nicht weiter schlimm. Mei, dann kauft man halt Mal eine Shirt mit Elsa drauf oder legt ein Nemo-Memory oder macht ein Biene Maja Puzzle. Warum stören Eltern sich da so sehr daran? Man sollte Kinder in ihrer Fantasie unterstützen und dazu muss man einfach manchmal in die Schneewehe hineinfahren, sozusagen. Es ist eine Phase und sie geht vorbei. Klar, Werbung nervt, aber dass man die Zielgruppe Kleinkind ausnutzen will, ist doch aus unternehmerischer Sicht verständlich. Ich störe mich da jetzt nicht daran, wenn sie Elsa spielen in der Kita oder Feuerwehrmann Sam! Rufen, wenn sie ein Feuerwehrauto in der Hand haben. Warum auch? Ich freu mich, dass die Kinder Spaß haben. Nur darum geht es doch letztendlich.

    1. Hallo Mimi,

      vielen Dank für Deinen Kommentar. Natürlich gibt es schlimmeres als Markennamen im Kinderzimmer. Ohne wird es auch kaum gehen. Ich finde das trotzdem erschreckend wie Kinder an die ganzen Brandings mit der Holzhammer-Methode herangeführt werden (sollen).
      Warum ich mich daran störe? Kinder sind relativ einfach beeinflussbar, sie lernen sehr schnell und deshalb werden sie schon früh als Zielgruppe angesprochen. Mir ist das leider zu früh – so als ob man ihnen ihre Unschuld (und vielleicht einen Teil ihrer Fantasie) nehmen will.
      Umgekehrt finde ich es auch ok, wenn sich Menschen nicht daran stören. Letztendlich müssen Eltern selber entscheiden, mit welchen Marken und Brandings ihre Kinder aufwachsen sollen.

      Liebe Grüße
      Alex

  4. Ich habe mich auch sehr lange gegen Elsa gesträubt, vor allem weil ich ein Problem damit habe, dass alle Prinzessinnen immer von Prinzen gerettet werden müssen. Und das ist ja nicht nur bei Disney so, sondern schon bei den Gebrüdern Grimm. Auf irgendeinem Blog (ich weiß leider nicht mehr, welcher es war), habe ich aber einen Artikel gelesen, in dem Elsa verteidigt wurde (Stichwort „Ich lass los“), und der mich dazu veranlasst hat, den Film mal anzuschauen. Seitdem bin ich großer Elsa-Fan, denn hier sind es die Schwestern, die sich gegenseitig retten. Und das sind Vorbilder, wie ich sie mir für meine Töchter wünsche. Da darf es dann auch Disney sein.
    Ganz grundsätzlich muss ich aber sagen, dass es hier nicht unbedingt immer Merchandising sein muss. Ab und zu verlangt die Große (fast 4) etwas mit Anna und Elsa, aber da tun es dann auch mal Socken. Kommt insgesamt aber eher selten vor.

  5. Meiner Kleinen ist eher durch Zufall der Schneemann Olaf ihrer großen Schwester in die Hände, also vom Regal, gefallen. Seitdem gibt sie ihn nicht mehr her und bekuschelt ihn, aber das liegt wahrscheinlich noch daran dass er sich gut an der Nase packen und herum tragen lässt. Dafür haben sich hier die Tut Tut Autos eingeschlichen, ein Auto geschenkt bekommen und wurden zum Lieblingsspielzeug.

    1. Hallo Raminala,
      Olaf ist doch nur der Schneemann. Zumindest spielt er meiner Erfahrung nach eine kleinere Rolle. Elsa und Anna über alles….;-)

      Viele Grüße
      Alex

Schreibe einen Kommentar

*