Keine Zicke, keine Madame und auch keine Prinzessin

(Prinzipiell schreibt @dasrosablau hier jeden Donnerstag, was ihn bewegt.)

Leider war es hier außerhalb des Wochenende in Bildern sehr ruhig. Ich versuche jetzt wieder, regelmäßiger einen Artikel jeden Donnerstag zu veröffentlichen.

Heute las ich über eine Projekt, welches sich dafür stark macht, dass endlich die erste deutsche Astronautin ins Weltall fliegt (und ich dachte, das wäre schon längst passiert). Das Projekt hat Probleme, Geld zu bekommen und ist kurz vor dem Scheitern. Die Idee lautet, ein weibliches Vorbild für Mädchen und Frauen zu schaffen und zu zeigen, dass für Frauen alles möglich ist (auch der Weltraum) und sie mehr für technische Berufe zu begeistern. Eigentlich ein großartiger Ansatz, aber ich frage mich, ob wir als Eltern im Kleinen nicht auch schon viel mehr machen können.

Niemand ist eine Ziege

Meine Frau und ich haben eine unausgesprochene Absprache. Auf jeden Fall habe ich ihr gegenüber nie die Wörter „Zicke“ oder „zickig“ benutzt und wir benutzen diese Wörter auch nicht im Bezug auf unsere Tochter. Umso perplexer war ich letztens, als ein Bekannter das Wort Zicke zu meiner Tochter sagte. Das Runzelfüßchen hatte ein bestimmtes Problem und wollte etwas nicht. Der Anlass war vielleicht nicht bedeutend für Außenstehende, aber relativ eindeutig für das Runzelfüßchen: sie wollte nicht und war ein wenig „eingeschnappt“.

Ein Wort um Frauen abzuwerten

Ich war leider so geschockt, dass mir auf die Schnelle keine Antwort eingefallen ist. Meine Frau sprang unserer Tochter zur Seite und auch ich erklärte ihr im Nachhinein, dass das vom Bekannten nicht in Ordnung war.
Aber der Vorfall beschäftigte mich dann noch mehrere Tage. Wieso wurde so ein Wort „erfunden“, was Mädchen oder Frauen die Rechtmäßigkeit einer Beschwerde oder eines Gefühls in Abrede stellt? Ich kenne kein ähnliches Wort, was für Jungen oder Männer benutzt wird. Wenn ein Mann ein Problem hat, ist es ein Problem. Wenn eine Frau ein Problem hat, ist sie das Problem, eine Zicke. Ich habe nie Gender Studies studiert, nie ein spezifisches Buch zu Gender Studies gelesen (vielleicht sollte ich das mal!), aber dieses Wort hat mir (leider) wieder einmal die Augen geöffnet.

Die Madame und die Dame

Manchmal kann ich nur hoffen, dass meine Tochter nicht jede Bedeutung von jedem Wort kennt. Aber ich befürchte, ich kann nicht vermeiden, dass jemand sie wieder so nennt. Genauso wenig mag ich das Wort Madame, was ich schon von anderen Eltern gehört habe. „Was hat denn die Madame jetzt wieder?“ „Könnte die Madame zum Essen kommen?“ Ich finde das furchtbar. Generell könnte man denken, eine „Madame“ wäre etwas Nettes und es wird damit Respekt ausgedrückt, aber leider ist das Gegenteil der Fall. Mit „Madame“ wird das Mädchen zynisch kleingehalten, denn eigentlich meint die Person das Gegenteil.

Die Prinzessin lässt sich retten

Ein wenig problematisch finde ich auch die Prinzessin. Ich fuhr einmal Taxi und der Taxifahrer erzählte auch ganz stolz, von seiner „Prinzessin“ zu Hause. Er meinte das wirklich nicht böse oder abwertend, seine Tochter war für ihn das höchste, eben seine Prinzessin. Solange ein Sohn dann auch der Prinz ist, wäre ja alles ok, könnte man meinen, aber ich finde die „Prinzessin“ auch schwierig. Zum einen kann das Wort auch wieder so benutzt werden wie „Madame“ – zum anderen hat die Prinzessin zumindest bei mir keinen guten Ruf. In der Regel ist sie nicht die Heldin, im Märchen meist passiv und muss gerettet werden.

 

Wie geht ihr mit geschlechtsspezifischen Schmipfwörtern um? Oder auch Kosewörtern. Was kann man sagen, wenn man mitbekommen, dass jemand so etwas benutzt?

 

4 Kommentare bei „Keine Zicke, keine Madame und auch keine Prinzessin“

  1. Ich hab letztens mitbekommen, dass die Erzieherinnen in unserer Kita zu den Jungs „Bocki“ sagen, wenn sie sich aus ihrer Sicht „zickig“ benehmen. Ich denke das es die Entsprechung zu Zicke sein sollte, also Ziegenbock. Immerhin ein Ausgleich zur Zicke… Toll find ich das trotzdem nicht!

  2. Sorry für die Rechtschreibfehler, sind mir jetzt erst aufgefallen…

  3. Hallo Mascha,

    bockig sein habe ich auch schon gehört, aber kommt meiner Erfahrung nach eher seltener vor. Und hat zumindest in meinen Ohren einen etwas anderen Unterton. Schön ist natürlich auch anders. Wenn die Menschen älter sind, bleibt oft das andere Wort übrig: Ich hab seltener jemand sagen hören, der Herr Müller ist heute wieder bockig. Eher hört man, dass die Frau Müller heute wieder zickig ist. Schade.

    Liebe Grüße
    Alex

    1. Stimmt! Klingt aber witzig: Herr Müller ist wieder bockig.
      Ich find einfach schade, wenn Kinder so bezeichnet werden, wo sie doch nur ein Bedürfnis mitteilen wollen.

      Liebe Grüße zurück!

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