Von wahren Männern

Letztens war Winter-Olympiade und das war ganz spannend. Aber weniger wegen dem Sport, sondern wegen einem Kommentar. Mit zwei Kindern kommen Sport-Übertragungen im Fernsehen in meiner Prioritätenliste an relativ später Stelle. Wenn ich Zeit für all die anderen Dinge hätte, die ich gerne machen würde, dann würde ich mir das auch mal ansehen. Ein Artikel in der BILD-Zeitung zum Erfolg der Eishockeymannschaft schlug relativ große Wellen im Internet. Tenor: Eishockeyspieler sind noch richtige Männer ( im Gegensatz zu den verweichlichten Gestalten, die sich für Kultur interessieren mögen). Eishockey ist nicht meine Sportart und da ich mich relativ viel um meine Kinder kümmere, fragte ich mich: bin ich etwa unmännlich? Muss ich jetzt mir einen Bart wachsen lassen und Motorrad fahren lernen?

Das Äußere und die Fassade

Als ich ein Jugendlicher war, mochte ich gerne Heavy Metal. Möglichst böse und möglichst wütend sollte es sein. Ich fand mich in der Musik wieder, weil ich auch oft wütend war. Die Musiker dort hatten lange Haare, trugen Tattoos und manche hatten Piercings. Im Gesicht. Ich hatte damals ein Poster von dem Sänger von Machine Head an meiner Tür hängen, einfach weil der so böse guckte. Aber so wie zu dem Zeitpunkt das Ganze einfach eine Maskerade war, haben heute in Berlin junge Frauen die gleichen Piercings und noch mehr Tattoos ohne das sie besonderes Interesse für „harte“ Musik haben. Was früher „hart“ und männlich war, ist heute Mainstream geworden.

Der Biker

Vor ein paar Jahren wartete ich in einem Wartezimmer auf einen Arzt. Es war voll und die Wartezeiten waren lang. Irgendwann kam ein Biker rein. So richtig mit Kutte, einen Aufdruck („Patch“) mit seinem Chapter und er sah mächtig „böse“ aus. Den Aufdruck konnte ich später noch recherchieren – er war im Rotlichtmilieu tätig. Später kam seine Frau und seine Tochter rein. Was soll ich sagen? Der böse Rocker mit seinem abschreckendere Outfit, war ein fast normaler Vater, der sich mit seinem Kind ganz normal unterhalten hat. Das Kind hatte auch keine Biker-Kleidung an, sondern bunter Kinderkleidung. So wie die Eishockeyspieler Schutzausrüstung tragen, trägt ein Rocker seine Berufsbekleidung. Und selbst jemand, der wild und gefährlich aussieht (und vielleicht auch ist) hat am Ende die gleichen oder ähnliche väterlichen Gefühle wie ich.

Wut auf veraltete Rollenbilder

Natürlich kann man die BILD-Zeitung einfach ignorieren. Aber mich macht es einfach wütend, dass irgendjemand festlegen will, was männlich oder unmännlich sein soll. Ob ich gerne Eishockey spiele ( mache ich nicht) , was übrigens auch Frauen als Sportart ausüben, oder mit einer Nähmaschine Kleidung nähe, niemand hat darüber zu urteilen, ob ich dadurch weniger oder mehr „Mann“ bin. Und auch die Reduzierung der Eishockeyspieler auf ihre Sportart, ist totaler Quatsch. Das Leben besteht auch für diese Männer nicht nur aus „überleben“, sondern sie sind empfindsame Menschen wie der Rest von uns.

Wer gerne kämpft, kann in einen Boxverein gehen oder Paintball spielen oder Eishockey. Das ist alles vollkommen ok. Aber kein Mann muss irgendwas davon tun, um männlich zu sein. Mutiger finde ich, wenn ein Mann etwas anderes macht: sich für eine Pflegeberuf zu interessieren oder Teilzeit zu beantragen, damit er sich mehr um die Familie kümmern kann.

Was haltet ihr von veralteten Rollenbildern?

Ein Kommentar bei „Von wahren Männern“

  1. […] stellt gerne Fragen in den Kommentaren, bei Facebook oder Twitter. Ich habe auch vor kurzem über „wahre Männer“ gebloggt- vielleicht ist das ja auch was für […]

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