Wieso muss es denn unbedingt ein Sohn sein (oder eine Tochter)?

Letzten Montag sah ich etwas im Fernsehen. Meine Frau schaute die Sendung „Goodbye Germany“ auf VOX und ich sah mir das Spektakel aus dem Augenwinkel an. Wer die Sendung nicht kennt: eigentlich schaut man hier nur zu, wie Menschen ins Ausland ziehen, möglichst da, wo es schön und warm ist und was man so auch als Tourist vielleicht kennt. Meist sind die Menschen dort ohne Sprachkenntnisse und ohne irgendeinen beruflichen Hintergrund, sie gründen ein Startup, welches oft grandios zum Scheitern verurteilt ist. In dieser Sendung sprach ein werdender Vater etwas aus, was ich so schön öfters gehört habe und was mich immer leicht verstört: „Hoffentlich wird es ein Junge!“.

Hohe Erwartungen

Es ist ja nicht so als ich hätte das nicht schon öfter gehört oder gelesen. Menschen wünschen sich als Baby unbedingt einen Sohn oder einer Tochter. In diesem Fall wollte der Vater unbedingt einen Jungen, weil er den „versteht.“ Und er könnte ja mit dem Fussball spielen. Ich hoffe nur, dass er wenigstens seine Frau ein wenig versteht, wenn er angeblich die potentielle Tochter schon nicht verstehen wird. Natürlich kann ich mich darüber lustig machen, aber was mich wirlich daran stört, ist etwas ganz anders.  Es hat gar nicht mit dem werdenden Vater zu tun, sondern mit den Erwartungen und Hoffnungen, die auf das kleine Wesen projeziert werden. Noch nicht geboren wird erwartet, dass die Kinder sich schon in ihre Rollenbilder einfügen werden. Egal, wie realistisch oder falsch diese Klischees sind.

Hauptsache keine Prinzessin

Vor einiger Zeit wollte ich mal ein Papa-Buch für den Runzelfüßchen-Blog rezensieren. Der Verlag war so nett uns ein Rezensionsexmplar zuzuschicken. Auf dem Cover und der Rückseite sah alles noch locker und flockig und vielleicht ein wenig witzig aus. Am Ende konnte ich über das Buch nicht schreiben, denn der Autor wollte auch unbedingt einen Jungen, der dann sich Fussball interessieren sollte. Hauptsache keine Prinzessin und rosa. Ich kann gar nicht mehr sagen, ob es am Ende „Gottseidank“ ein Junge wurde oder dieser Vater sich doch noch mit „Rosa“ anfreunden müsste. Da Trend auch bei Kindermöbeln in Richtung „Rosa“ geht, bleibt ihm wohl auch nichts anderes mehr übrig.

Alle Jungs mögen Fussball

Vor allem das Fussball-Argument finde ich sehr aberwitzig. Als wäre Jungen oder Männern angeboren sich für Fussball zu interessieren. Ich konnte als Junge sehr wenig mit Fussball anfangen. Weder war ich im Fussballverein, noch konnte ich mich für Fussballschauen im Fernsehen oder die Sportschau begeistern. Und auch wenn mein Papa ein begeisterte Fussballanhänger war: seine Begeisterung hatte sich auf mich als kleinen Jungen nicht übertragen. Lieber habe ich mit Freunden auf dem Hof Tennis gespielt als mit anderen Kindern Fussball gebolzt. Aber ich glaube kaum, dass das für meinen Vater irgendeine Rolle gespielt hat. Und als Kind habe ich oft den Sport gemacht, den meine Freunde gemacht haben.

 

Ich frage mich immer (und hoffe), ob viele Eltern am Ende, also wenn das Kind da ist, ihre Meinung ändern. Kinder sind so großartig und indiviudell, haben verschiedene Temperamente, die allein schon jedes Kind anders machen. Es wäre einfach schade, wenn irgendjemand wegen des Geschlechts eines Kindes nur ein bisschen enttäuscht wäre.

 

Spielte das Geschlecht eures Kindes überhaupt eine Rolle vor der Geburt? Habt ihr eure Meindung danach beibehalten oder geändert?

 

8 Kommentare bei „Wieso muss es denn unbedingt ein Sohn sein (oder eine Tochter)?“

  1. Für uns war es völlig egal was es wird. Wir haben uns einfach ein gesundes Baby gewünscht. Es ist ein Mädchen geworden, das wahnsinnig gerne mit Bällen und Autos spielt, auf alles klettert was sie findet und bisher keine einzige Puppe hat (mit 15 Monaten). Na und? Hauptsache sie hat Spaß!
    Und auch wenn ein zweites Kind kommt, dann ist es uns auch wieder egal was es wird. Wird es ein Mädchen: Schön, dann können wir die ganze Kleidung nochmal hernehmen (hier haben wir doch viele rosa/pinke Sachen, die ich Jungs nicht anziehen würde). Wird es ein Junge: Schön, dann lernen wir auch das kennen.

    1. Hallo Simse,
      vielen Dank für Deinen Kommentar. Als meine Tochter noch ein wenig jünger war, fand ich Puppen erst ein wenig problematisch. Aber mittlerweile habe ich meinen Frieden mit Ihnen gemacht. Kinder wollen sich einfach gerne kümmern. Sie sehen das ja auch bei ihren Eltern. Mein Sohn mag auch gerne Puppen, gibt ihnen Kussis und fährt mit dem Puppenwagen spazieren. Ich finde das toll.

      Liebe Grüße
      Alex

      1. Ich bin auch nicht grundsätzlich gegen Puppen, habe allerdings eine Abneidung gegen diese kommerziellen Sachen wie Barbie, BabyBorn oder eine laut singende Else (erst heute gesehen). Bei meinen Eltern sind noch meine 2 Puppen von früher und sobald meine Kleine daran Interesse zeigt, bekommt sie bestimmt auch ihre eigene. So gut wie Deine Frau kann ich allerdings nicht nähen, daher wird es dann bestimmt eine gekaufte Puppe.
        LG, Simse

  2. Ich kann mich Simse nur anschließen. Wobei ich selber das Mädchen war, das mit Autos und Dinos (♥!) spielte und Puppen verschmähte. Dafür scheint mir mein Mäuschen jetzt etwas mehr „Mädchen“ zu sein: sie liebt ihr Püppchen 😀
    Ich kann nicht in die Zukunft sehen, aber wenn ich eins weiß, dann dass ich ihr alles möglich machen werde, das sie ausprobieren möchte. Mir wurden „Jungssportarten“ wie Fußball und Basketball verwährt, eben weil ich ein Mädchen war und „das ist doch was für Jungs!“ (Ich hoffe die LehrerInnen des Mäusekinds werden aufgeklärter sein als meine damals.)

    Ich kann solche Aussagen halbwegs verstehen, das ist so ein Glaube, den die Menschen zu haben scheinen, dass Kinder ihres eigenen Geschlechts einfacher/ besser verständlich/ wasauchimmer seien. Wenn das Kind aber erstmal da ist und man es aufwachsen sieht, merkt man, dass das Unfug war.

    1. Hallo Nickel,

      danke für Deinen Kommentar. Ich denke, dass sich das mit den Sportarten ein wenig geändert hat. Zumindest Fussball sollte mittlerweile etabliert sein.
      Es bleibt zu hoffen, dass viele ihre Meinung ändern, wenn das Kind da ist. Hattest Du denn eine bestimmte Erwartung, bevor Deine Tochter auf die Welt gekommen war?

      Liebe Grüße
      Alex

  3. Mir war es völlig egal. Nun habe ich 1 Mädchen und 2 Jungs. Mein großer Sohn kann zB mit Fussball nichts anfangen, findet aber tanzen toll und ist auch der einzige Junge in der Tanzgruppe. Darauf ist er mächtig stolz, obwohl er im Kindergarten leider ausgelacht wird. Oft ärgert er sich auch, dass Jungsklamotten in dem Alter schon sehr schwarz und dunkel sind. Mädchenklamotten mag er jetzt nicht unbedingt, aber er hätte schon gerne jungstaugliche Wendepaillettenshirts, auch mal Schmuck für coole Jungs. Er sagt oft, er ist traurig, weil.es bei den Mädchen so schöne Sachen gibt. Also ich finde es schön, Jungs und Mädchen zu haben, letztendlich spielt es aber keine Rolle. Jedes Kind ist sowieso eine eigene Persönlichkeit! Schade nur, dass dieses Schubladendenken so stark ist. Das schlimmste Erlebnis hatte mein Sohn mit ca. 4 Jahren mit Nagellack. Da meinte ein Fremder, wie schlimm wir Eltern seien, der würde wegen so was doch schwul… also da klappte mir die Kinnlade mal fassungslos nach unten

    1. Hallo scapaustria,

      ich hätte auch gerne ein Wendepaillettenshirt, wobei die wahrscheinlich auch relativ schnell kaputt gehen. Wieso diese Shirt nur für Mädchen sein sollen, ist mir auch schleierhaft.
      Vermutlich wird es noch relativ lange dauern, bis Menschen verstehen, dass Homosexualität keine Krankheit ist oder man sie durch Nagellack „bekommen“ könnte. Hast Du denn Fremden noch etwas sagen können oder warst Du zu fassungslos?

      Liebe Grüße
      Alex

  4. Bei Nummer eins war es mir egal und für Nummer 2 wünschte ich mir das andere Geschlecht. Im Prinzip ist das Geschlecht aber egal, bloß kein Arschl0chkind! Damit sind wir schon beim eigentlichen Punkt: Es sollten Menschen werden, die sich im Leben zurecht finden, Freunde haben und Partner finden. Das Geschlecht mag man als Eltern nicht im Griff haben, aber den Rest kann man ein wenig beeinflussen. Ich kann den Kindern erklären, was sie wissen möchten und vielleicht habe ich Glück und ihre Freunde sind auch keine AKs. Dann wird das schon werden.

Schreibe einen Kommentar

*